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Werk von Hermann Glöckner Werk von Hermann Glöckner
In einer ersten, besonders intensiven Phase bis ins Jahr 1933 fertigte er etwa 60 seiner ebenso einfachen wie arbeitsaufwendigen Gebilde. Mit ihnen habe sich, wie er später erklärte, das Werk herauskristallisiert, wobei er anmerkt, dass die Bezeichnung Tafelwerk nicht von ihm selbst, sondern von Kunstwissenschaftlern stamme. Seine Beweggründe waren, wollte man ihn wörtlich nehmen, von unbeschwerter Art: "Ich fragte nicht: Ist das ein Kunstwerk oder ist es keins? Ich war begeistert von meiner Arbeit, habe mich gefreut und fand alles Vorherige unnötig. Später stellte sich natürlich heraus, dass es keineswegs der Fall war."


Nach dem energischen ersten Produktionsabschnitt entstanden in etwas weniger dichter Folge, aber mit eindrucksvollen Arbeiten weitere solche Tafelgebilde. Ob die inzwischen bedrohlich werdenden Angriffe gegen moderne Kunst oder mehr das Gefühl von Erschöpfung und Erledigung des Konzepts um 1937 dann zu seinem – vorläufigen – Abbruch führte, bleibt fraglich. Immerhin hat Glöckner später einerseits wieder auf Lösungen zurückgegriffen, andererseits Nachträge geliefert. Insgesamt entstanden über 270 Arbeiten in dem vorbestimmten Charakter.
Die Tafel ist ein Gegenstand, ein kompletter. Er bedarf weder eines Rahmens noch des Passepartouts; benötigt wird zu seiner Aufbewahrung ein Behältnis. Der Gegenstand ist für den Umgang geschaffen, ein Stück zum Anfassen. Die Oberflächen sind für die allerdings mehr gedachten als praktizierten Handlungen präpariert, durch eine Schutzschicht als dem letzten Arbeitsgang. Tafeln mit Abnutzungsspuren werden gelegentlich repariert und erneut geschützt, gelackt, gewachst.


Dieser handfeste Gegenstand entsteht durch Aufbau und durch Bearbeitung, doch nur ausnahmsweise mittels Pinsel und Farbe, man bemerkt vielmehr Mittel und Methoden, wie sie hauptsächlich in der Werkstatt des handwerklichen Buchbinders angewendet werden. Die wichtigsten Materialien sind Pappen und Papiere, die ständigen Werkzeuge Messer, Schere, Falzbein, auch Lineal und Zirkel. Erforderlich ist eine Presse. Der Auftrag von Farbe erfolgt meistens durch Anstrich über Schablone. Linien entstehen durch das Eindrücken in die vielleicht noch feuchte Fläche, manchmal auch durch das Rädeln; bei der sich anschließenden Lackierung sammelt sich der Farbton in den Vertiefungen. Alle Beobachtungen werden verwertet. Zum Erzielen von Strukturen gibt es mannigfache Methoden, nicht selten wirkt der Zufall mit; der Künstler hält ihn fest.
Der für Glöckners Tafeln charakterisierte Entstehungsprozess bewirkt ein leichtes Oberflächenrelief. Doch viele solche Werkstücke mit ihrem Kern aus gefestigter Pappe, gehärtet durch Tränkung im Leimwasser, zeigen nicht nur die Schichtung der aufgeklebten Papiere, nicht einfach Collage, sondern zudem auch Einschnitte, Einritzungen und den Auftrag anderer Stofflichkeiten.


Die Tafeln haben ein auf Zusammengehörigkeit und Serie weisendes Format. Glöckner bestimmte es als ein hochstehendes Rechteck im Verhältnis 10 zu 7. Das eigentliche Grundformat beträgt 50 x 35 cm, die überwiegende Anzahl der Arbeiten ist in diesem, einem großen Buch entsprechendem, Maß ausgefertigt. …


Aus der Hand legte der Künstler jene Stücke, die der Betrachter in die Hand nehmen kann. Die Merkmale des Objektiven, Festen und Ursprünglichen betrifft auch die Ausbildung des Körperlichen. Die Tafeln sind konzipiert als im Grundsatz gleichartige, gleich große und gleich starke Gevierte, die stabil sind, einlandend zum Wenden und Drehen, mit Vorderseite und gestalteter Rückseite. Meistens siegelt der Künstler sein Produkt rückseitig mit dem aus dem Kreis geformten Anfangsbuchstaben seines Namens, dem konstruierten G. Man kann die Tafel frei im Raum aufhängen, sie darf sich bewegen, einige Wendetafeln sind eigens dafür geschaffen, und in der Bewegung wird ihre Eigenheit noch deutlicher.
Tafelwerk